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Auf der Suche nach den intellektuellen Hintergründen der bischöflichen Machtanmaßungen wird man auf der Homepage des Bistums fündig. Unter dem Titel "Stichwort: Göttliches Recht – katholische Vielfalt in katholischer Einheit" beansprucht Bischof Gerhard Ludwig Müller für sich nicht weniger als eine "unmittelbare, persönliche und direkte Hirtengewalt des Bischofs, die sich auf die ihm anvertraute Ortskirche (Diözese) erstreckt", also eine absolutistische diktatorische Macht über alle seine Schäfchen, die lediglich durch das (wörtlich) "vorgegebene göttliche Recht und den Vorrang des Papstes (Primat) begrenzt" ist, also ausdrücklich nicht etwa durch weltliche Gesetze wie z.B. das deutsche Grundgesetz. Begründet wird dieser Machtanspruch durch ein angebliches "ius divinum", einem Recht, das sich direkt auf den Willen Gottes zurückführen lässt und im Gegensatz zum menschlichen Recht nicht an die Zeitumstände angepasst und verändert werden kann. Müller beansprucht als Rechtfertigung für sein Handeln also nichts Geringeres als den direkten Auftrag Gottes, und entzieht damit sein Handeln jeder menschlichen Kritik. Folgerichtigerweise wird jeder, der dem Bischof widerspricht, zum Kirchenfeind erklärt.

Nun wird kein Mensch bestreiten, dass Bischof Müller ein brillianter Denker ist. Somit war ihm natürlich sofort klar, in welche brisante ideologische Gesellschaft er sich mit dieser Argumentation begibt. Und so verteidigt er sich bereits, bevor er seine zweifelhafte Beweisführung überhaupt beginnt.

Wörtlich heißt es im Artikel: "Immer wieder berichten Medien von fanatischen Gotteskriegern, die sich auf einen „Heiligen Krieg“ Gottes berufen, in Wirklichkeit jedoch Terroristen sind. Der Begriff des „göttlichen Rechts“, auf den sich Bischof Gerhard Ludwig Müller beruft, steht dagegen in einer langen und guten christlichen Tradition."

Die Abgrenzung seines "göttlichen Bischofsrechtes" von den Denkstrukturen der Gotteskrieger ist allerdings bemerkenswert dürftig ausgefallen. So weiß seine Exzellenz lediglich anzuführen, sein göttliches Recht sei durch eine wesentlich längere und bessere Tradition legitimiert. Eine Behauptung, deren Richtigkeit angesichts der genauso langen Tradition der Assassinen von Alamut (11. Jahrhundert) durchaus angezweifelt werden darf. Und selbst wenn die Behauptung richtig wäre, wäre sie dennoch als Argument nicht zwingend: auch Sklaverei, Folter und die gewaltsame Verfolgung Andersgläubiger hatten eine lange Tradition, bevor sie (im kirchlichen wie im weltlichen Recht) abgeschafft wurden. Zudem widerspricht sich die bischöfliche Argumentation selbst, nennt sie doch gerade als Abgrenzungskriterium zwischen göttlichem und menschlichem Recht, dass das göttliches Recht ewig sei, und somit eben nicht wie menschliches Recht auf Satzung oder auf Gewohnheitsrecht (ergo Tradition) beruhe.

Nun wird niemand Bischof Müller mit terroristischen Gotteskriegern gleichsetzen wollen. Die Unterscheidung ist aber eine andere als die von seiner Exzellenz angeführte: Eine sich direkt auf Gott berufende Wahrheitsgewissheit führt genau dann nicht zu Unterdrückung und Gewalt, wenn die Wahrheitsbesitzer ihrer politischen Macht beraubt sind. Das ist in unseren Breiten seit der Aufklärung der Fall. Und die zugrundeliegende Denkeinstellung ist auch für Katholiken spätestens seit der Versöhnung zwischen dem Modernismus und der Kirche im Rahmen des 2. Vatikanischen Konzils zur Selbstverständlichkeit geworden.

Der Verlust der weltlichen Macht ist auch der Grund dafür, dass im Umgang mit aufmüpfigen Katholikenräten heute nicht mehr die selben Mittel zu Gebote stehen, die in historischer Zeit noch einen Giordano Bruno oder einen Jan Hus wirksam von der Gültigkeit des Göttlichen Rechts überzeugen konnten.

Ob seine Exzellenz dieses wesentlich stärkere Argument zur Abgrenzung vom Terrorismus nicht brachte, weil er es nicht kannte, oder weil es nicht mochte, geht aus dem Artikel leider nicht hervor.

(Klaus-Peter Kuhn, 4.1.2006, Nachdruck unter Angabe des Autors erlaubt)